Analog gegen Algorithmus: Wie eine Lehrerin KI aus ihrem Unterricht verbannte
Die Kernentscheidung
Chanea Bond unterrichtet Komposition und amerikanische Literatur an der Southwest High School im Fort Worth Independent School District und hat einen nahezu vollständigen Verzicht auf Computer angeordnet. Statt Laptops arbeiten Schülerinnen und Schüler mit Stift und Papier: Tagebuchschreiben zu Beginn jeder Stunde, fast alle Aufgaben handschriftlich und nur die finale Fassung wird — außer bei Nachteilsausgleichen — getippt. Bond begründet das klar: Handschriftige Arbeit macht Gedankenprozesse und Lernschritte sichtbar und verhindert, dass Schüler ihre Analyse an KI auslagern.
Warum das eine Debatte auslöst
Die Entscheidung kommt zu einer Zeit, in der viele Bildungsakteure KI aktiv einführen: Eine Umfrage des EdWeek Research Center aus Juli 2025 fand, dass rund 60 Prozent der Lehrkräfte KI zumindest teilweise im Unterricht nutzen. Große Bezirke wie Miami‑Dade geben Schülern Zugang zu Googles Gemini, New Jersey vergab im Vorjahr Fördermittel in Höhe von über einer Million Dollar, und die Bundesregierung erließ im Frühjahr 2025 eine Anordnung zur Ausweitung von KI‑Bildung in K‑12. Bond widerspricht diesen Initiativen mit der Frage: „Where are those skills going to be built, if not here?“
Wie analoger Unterricht konkret funktioniert
Bond lässt Schüler täglich handschriftlich journalen, stellt Wörterbücher zur Verfügung und benotet nicht nur die Endarbeit, sondern jeden Zwischenschritt — These, Gliederung, Bibliografie und handschriftlichen Entwurf. Ein Versuch, KI einzubinden (etwa bei Maya Angelous Gedicht „Still I Rise“), scheiterte nach Bonds Worten: „It was terrible“ — die Schüler hätten das Denken ausgelagert und sich nicht mit dem Text auseinandergesetzt. Konkrete Fälle zeigen den Effekt: Eine Schülerin, Meyah Alvarez, war zunächst verwirrt, schätzt die Methode inzwischen aber, und ein Schüler, der unter Zeitdruck ein Literaturverzeichnis mit KI erstellte, musste die Aufgabe komplett neu schreiben.
Chancen, Risiken und Reaktionen
Nicht alle Lehrkräfte folgen Bonds Modell. Ihr Kollege Brett Vogelsinger aus Pennsylvania erlaubt KI‑Einsatz, wenn Schüler offenlegen, wie sie das Tool genutzt haben, und sieht den Einsatz als pädagogische Aufgabe: erkennen, wann KI eine Abkürzung und wann ein Lernwerkzeug ist. Schüler berichten, dass KI‑Nutzung weit verbreitet ist, einige lehnen die Technik aus ethischen und ökologischen Gründen ab. Bond sagt, sie sei offen für einen Meinungswechsel, sieht aber derzeit größeren Schaden darin, Schülern das eigenständige Denken vorzuenthalten. Die Berichterstattung wurde unterstützt vom Tarbell Center for AI Journalism und dem Omidyar Network.
Wie siehst du die Rolle von KI im Klassenzimmer?
Quelle: https://www.npr.org/2026/01/28/nx-s1-5631779/ai-schools-teachers-students