„Galactic Brain“: Start-up will 2027 ein Datenzentrum in den Orbit bringen
Catchy Einleitung
Stell dir ein Rechenzentrum vor, das nicht in einem Industriepark steht, sondern in 400 km Höhe seine Racks dreht. Aetherflux, ein 2024 gegründetes Start‑up des Robinhood‑Mitgründers Baiju Bhatt, will genau das bauen: eine Konstellation von solarbetriebenen Daten‑Satelliten, intern «Galactic Brain» genannt. Erster Orbiter soll im ersten Quartal 2027 starten. Das Ziel ist nicht Science‑Fiction, sondern eine Antwort auf das wachsende Verlangen nach massiver KI‑Rechenleistung — plus dem Wunsch, die Jahre langen Bauzyklen irdischer Rechenzentren zu überspringen.
Was genau plant Aetherflux?
Aetherflux will Daten‑ und Inferenz‑Rechenleistung in den Orbit verlagern. Kurz zusammengefasst: Solarbetriebene Satelliten mit GPUs und sonstiger Compute‑Hardware, über die Kunden KI‑Inference und allgemeine Rechenaufgaben laufen lassen können. Die Firma plant, zunächst Einzelstarts zu testen und dann in Serien zu fliegen: typischerweise ~30 Satelliten pro Falcon‑9‑Start; sollte Starship verfügbar werden, könnten mehr als 100 Rechensatelliten pro Start möglich sein. Das Start‑Datum für ein Demonstrationssystem, das Energie per Infrarotlaser zur Erde funkt, ist sogar noch früher angesetzt (2026).
Warum überhaupt in den Orbit?
Die Kernargumente von Aetherflux lassen sich so bündeln: 1) Zeitgewinn — ein terrestrisches Rechenzentrum kann fünf Jahre oder länger brauchen (Grundstück, Netzanbindung, Bau), Satelliten lassen sich schneller bereitstellen; 2) Skalierbarkeit — bei fallenden Startkosten könnte Orbit‑Compute im Wettbewerb mit Bodenlösungen stehen; 3) Energie‑Bedenken für große KI‑Modelle — Bhatt sagt, der Wettlauf um AGI ist ein Wettlauf um Rechenkapazität und Energie, und bestehende Energiepläne könnten zu langsam sein. Ökonomisch ist das Bindeglied die Entwicklung der Startkosten: derzeit ~1.400 USD/kg für Falcon Heavy, aber Forschungsannahmen (z. B. Google) sehen rund 200 USD/kg als Schwellenwert, bei dem Raum‑Rechenzentren mit Bodenlösungen vergleichbar werden (Projektion um 2030).
Technik, Betrieb und Business‑Details — was bleibt offen?
Aetherflux hat einige Eckdaten genannt, viele Details aber noch nicht: keine Preisgestaltung, keine exakten Leistungszahlen pro Satellit, und wenig zu Kühlung oder physischer Wartung. Das Unternehmen verspricht "multi‑gigabit Level Bandwidth" und "nahezu konstante Verfügbarkeit". Zu Hardwarelebensdauer sagt Aetherflux, man werde kontinuierlich neue Hardware starten und ältere GPUs für niedrig prioritäre Aufgaben nutzen, während neue Architekturen oben nachrücken. Finanziell hat das Start‑up 2024 rund 60 Mio. USD eingesammelt, zunächst für den Laser‑Energy‑Proof‑of‑Concept.
Herausforderungen, die nicht verschwinden
Ein Orbit‑Rechenzentrum klingt verlockend — aber es gibt klare Hürden: 1) Strahlung und Hardware‑Degradation: GPUs sind empfindlich; hoher Strahlungseinfluss im LEO kann Bauteile altern lassen; 2) Wartung und Austausch: Satelliten sind schwieriger zu reparieren als irdische Racks; Aetherflux setzt auf häufige Nachschub‑Starts statt Reparatur‑Missionen; 3) Thermisches Management: Abwärme ins All zu bekommen ist anders als auf der Erde — das Thema erfordert spezielle Designs; 4) Recht & Regulierung: Frequenznutzung, Orbitalverkehr und Haftungsfragen bleiben zunehmend relevant; 5) Orbitaler Verkehr: Die Erdumlaufbahn füllt sich, was Kollisionen und Weltraummüll‑Risiken erhöht; 6) Latenz & Anwendungsprofil: Auch wenn Inference weniger streng auf Latenz ist als Training, bleiben Anwendungsfälle mit niedrigen Latenzanforderungen begrenzt.
Der Markt: Wer ist noch im Rennen?
Aetherflux ist nicht allein. Andere Start‑ups wie Orbits Edge und Starcloud sowie Big Tech (Google, Nvidia) haben ähnliche Pläne oder Forschungsvorhaben vorgestellt. Außerdem experimentieren Akteure mit alternativen Ideen wie Untersee‑ oder Untergrunddatenzentren. Raumdatencenter sind ein Trend mit vielen Experimenten: unterschiedliche Geschäftsmodelle, Technologien und regulatorische Wege werden parallel erprobt.
Ist das wirtschaftlich realistisch?
Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem von den Startkosten pro Kilogramm, der Effizienz der Energieversorgung und den Betriebskosten ab. Schätzungen sprechen davon, dass bei etwa 200 USD/kg (Prognosen um 2030) der Aufbau und Betrieb orbitaler Rechenzentren mit terrestrischen verglichen werden könnte. Bis dahin bleibt die Bilanz fragil: Startkosten sinken zwar, aber zusätzliche Kosten für Strahlenschutz, wiederholte Nachschubläufe sowie spezielle System‑Designs für Wärmeabfuhr und Zuverlässigkeit schlagen zu Buche.
Fazit & Ausblick
Aetherflux' Ambition, 2027 mit einem Orbit‑Datenzentrum zu starten, ist ein mutiger Schritt in eine Branche, die gerade erst ihre Regeln schreibt. Wenn Startkosten weiter fallen und Energie‑/Kühlungsfragen gelöst werden, könnten Satelliten‑Rechenzentren tatsächlich Teil der KI‑Infrastruktur werden — vor allem für spezialisierte Inference‑Workloads. In der Zwischenzeit bleibt das Projekt ein spannender Versuch: technologisch risikoreich, potenziell disruptiv und ein gutes Beispiel dafür, wie eng Raumfahrt, Energie und KI inzwischen verflochten sind.
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Quelle: https://www.theregister.com/2025/12/10/aetherflux_space_datacenter_2027/