Nachleben als Deepfake: Die AI-Version von Scott Adams sorgt für Familienstreit
Was ist passiert?
Im Januar verstarb Scott Adams, der Schöpfer der Comicserie „Dilbert“, im Alter von 68 Jahren an Folgen eines metastasierten Prostatakarzinoms. Kurz darauf tauchte online ein KI-generierter „Scott Adams“ auf: Videos zeigen eine digitale Nachbildung, die in Adams’ Stimme und Tonfall zu aktuellen Themen Stellung nimmt. Am 5. Februar veröffentlichte Adams’ Bruder Dave eine klare Ablehnung, und am 17. Februar bat das offizielle Konto die Öffentlichkeit «freundlich aber bestimmt», digitale Nachahmungen einzustellen. Der Ersteller der digitalen Figur, der KI-Investor John Arrow von Age of AI, sagt, er habe versucht, mit dem Nachlass zusammenzuarbeiten, sei aber blockiert worden.
Warum der Streit relevant ist
Der Konflikt ist kein persönlicher Familienstreit allein, sondern ein Testfall für den Umgang mit sogenannten „AI afterlives“. Scott Adams hatte 2021 in einem Podcast mehrfach gesagt, er erlaube posthume KI-Versionen von ihm; das hat Befürworter auf den Plan gerufen. Kritiker und Angehörige sehen darin jedoch eine Verletzung der Identität und eine emotionale Last in einer ohnehin schon belastenden Trauerzeit. Fachleute warnen, dass solche Nachbildungen die Erinnerung an Verstorbene verändern können und Familienrechte auf dem Spiel stehen.
Technik, Recht und die Frage der Einwilligung
Die digitalisierte Adams-Version gibt sich in den Clips als KI zu erkennen und verlangt offenbar kein Geld — John Arrow sagt, jede Episode koste etwa 1.000 US-Dollar. Juristisch dreht sich vieles um das „Right of Publicity“: Diese Rechte schützen Name, Bild und Stimme meist aus wirtschaftlicher Sicht und bieten dem Nachlass mögliche Ansprüche. Rechtsexperten wie Betsy Rosenblatt weisen darauf hin, dass Gerichte auch prüfen, ob die Darstellung kommerziell ist; wenn nicht, kann der Schutz der Meinungsfreiheit zum Argument werden. Gleichzeitig betont Karen North (USC), dass realistische Nachahmungen — schlicht gesagt — Deepfakes sind und psychischen Schaden an Trauernden anrichten können.
Chancen, Risiken und die Marktwirkung
Befürworter wie Arrow sehen in KI die Chance, geistiges Erbe zugänglich zu halten und Lehren eines Denkers weiterwirken zu lassen. Gegner warnen vor Missbrauch: Nachbildungen könnten Verträge stören, Einnahmen blockieren oder öffentliche Wahrnehmung verfälschen. Gesetzgeber arbeiten bereits; Bundesgesetze fehlen weitgehend, aber Staaten wie New York und Kalifornien haben jüngst Regelungen verschärft, die Erlaubnis durch Erben oder Testamentsvollstrecker verlangen. Der Fall Adams zeigt, wie schnell Technik soziale Normen und rechtliche Grauzonen herausfordert — und wie wichtig klare Regeln für digitale Nachlässe werden.
Wie siehst du die Zukunft von digitalen Nachleben durch KI — Erhalt oder Eingriff ins Erbe?