Schreiben ohne KI: Professoren fordern das Recht auf Verweigerung
Was ist passiert?
Die Conference on College Composition and Communication (CCCC) hat auf ihrem Jahreskongress in Cleveland vor zwei Wochen eine Resolution verabschiedet, die Lehrenden und Studierenden das Recht zuspricht, generative KI im Schreibunterricht abzulehnen. Die Resolution nennt unter anderem Zweifel an Behauptungen zur Produktivitätssteigerung sowie Bedenken zu Datenschutz, Arbeitsrechten, akademischer Freiheit, Umweltfolgen und den Folgen für kritisches Denken. Jennifer Sano‑Franchini, Associate Professor an der West Virginia University und unmittelbare Ex‑Vorsitzende der CCCC, betont, dass es sich um eine Frage der akademischen Freiheit handele: Wer sagen könne, «Du musst es nutzen» nehme diese Freiheit weg.
Warum das wichtig ist
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der viele Hochschulen multimillionenschwere Verträge mit Tech‑Firmen schließen – darunter Arizona State University, das California State University System und das University of Colorado System –, um proprietäre KI‑Tools bereitzustellen. Dozierende und Studierende berichten oft, sie seien bei solchen Entscheidungen außen vor und hätten in der Praxis keine Wahl: Eine AAUP‑Umfrage aus 2025 fand, dass 15 Prozent der Lehrenden berichteten, ihr Institut zwinge zur Nutzung von KI, 81 Prozent konnten KI‑Funktionen in Lernplattformen nicht ausschalten. 69 Prozent sahen KI als Schaden für den Studienerfolg, 95 Prozent forderten wirksame Opt‑out‑Regelungen.
Hintergrund: Wer treibt die Eile voran?
Die aktuelle Welle an Hochschul‑Partnerschaften folgte auf den Start von ChatGPT vor mehr als drei Jahren und die Versprechen der Branche, KI liefere Vorteile für Lehre und Arbeitsmarkt. Kritikerinnen wie Sonja Drimmer (University of Massachusetts Amherst) warnen, dass der Narrative der Unvermeidlichkeit von «Profiteers and opportunists» genutzt werde, um Widerstand zu unterdrücken. Die CCCC‑Resolution mahnt, dass Schreiben mehr ist als reine Berufsqualifikation: Studierende lernen, Unsicherheit zu bewältigen, Argumente zu entwickeln und Gemeinschaften zu bilden – Aufgaben, die durch ein einseitiges Technik‑Primat gefährdet werden könnten.
Chancen, Risiken und mögliche Folgen für Lehre
Einige Lehrende, etwa Sano‑Franchini, reagieren pragmatisch und gestalten Prüfungen so, dass große Sprachmodelle schwer zu nutzen sind, indem sie Diskussionen aus früheren Sitzungen einbauen; andere ermutigen zur produktiven Einbindung von KI. Studierende wie Colleen Benison (WVU) verzichten bewusst auf generative KI, weil sie den Lernwert menschlicher Arbeitsweise schätzen. Zugleich gibt es eine wachsende Bewegung gegen voreilige Implementierungen: Im vergangenen Sommer unterzeichneten mehr als 1.000 Hochschulfachleute einen offenen Brief, der vor den Lern‑ und Wohlbefindensrisiken von GenAI warnt. Die Auseinandersetzung könnte dazu führen, dass Hochschulen klarere Opt‑out‑Regeln, strengere Datenschutzbedingungen und eine kritischere Abwägung zwischen Bildungseffekt und kommerziellen Interessen einführen.
Würdest du der Einführung von generativer KI in Lehrveranstaltungen widersprechen?